Ein ganz besonderer Ausflug führte die Klasse 2 vor Kurzem auf eine spannende historische Entdeckungsreise in das PKC (Pädagogisch-Kulturelles Centrum) in der ehemaligen Synagoge Freudental. Schon von außen gab es an dieser besonderen Kulturstätte einiges zu bestaunen: Die Kinder entdeckten geheimnisvolle hebräische Schriftzeichen und den historischen Hochzeitsstein.
Das Geheimnis der Tora-Zeichen
Im Inneren durften wir einen Blick auf die Tora werfen, die beeindruckende heilige Schrift, die aus mehr als 200.000 handgeschriebenen Zeichen besteht und normalerweise in einem Toraschrein aufbewahrt wird.
Dabei lernten die Kinder ein großes Geheimnis der hebräischen Sprache kennen: Die Tora ist nämlich nur mit Konsonanten geschrieben – die Selbstlaute (wie a, e, i, o, u) fehlen völlig! Früher in der jüdischen Schule, der „Schul“, mussten die Kinder schon ab 4 Jahren Hebräisch lernen. Damit beim Vorlesen in der Synagoge alles richtig klingt, hatten die Erwachsenen komplette Gebetbücher dabei und alle haben gemeinsam mitgeholfen.
Alle Kinder durften sich selbst als Schriftforscher versuchen: In der Synagoge haben wir die zwei Zeichen Nun und Chet entdeckt, die zusammen den Namen „Noach“ ergeben, und haben der spannenden Geschichte von der großen Flut und dem bunten Regenbogen gelauscht. Als kleines Andenken durften die Kinder eine „TODA“-Karte (das bedeutet Danke) gestalten. Das Besondere: Hebräisch schreibt man genau andersherum als Deutsch, nämlich von rechts nach links!
Verborgene Schätze unterm Dach
Danach ging es hoch hinaus auf die Frauenempore, wo früher die Frauen beteten. Dort wartete eine faszinierende Ausstellung echter Schätze auf uns, die im 19. Jahrhundert im Dachstuhl der Synagoge aufbewahrt wurden. Weil diese Gegenstände nicht mehr im Alltag genutzt werden durften (man sagt dazu, sie waren nicht mehr „koscher“), wurden sie dort sicher versteckt:
- Alte Schulbücher mit riesigen hebräischen Buchstaben.
- Eine alte Mesusa: Eine kleine Kapsel für die Haustür, in der das wichtigste jüdische Gebet („Schma Jisrael… Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer“) aufbewahrt wurde.
- Die Tefillin (Gebetsriemen): Diese tragen kleine Boxen („Häuser“), in denen ebenfalls dieses Gebet steckt. Man bindet sie so an, dass ein Gehäuse direkt vor dem Herzen und eines auf dem Kopf zwischen den Augen sitzt.
- Bunte Tora-Wimpel: Diese wunderschön verzierten Stoffbänder hielten früher die Tora-Rolle zusammen. Ursprünglich waren es einmal Beschneidungswindeln, die von Müttern oder Tanten liebevoll bestickt und vom Vater stolz in die Synagoge gebracht wurden.
Ein Blick in die Geschichte unseres Ortes
Auf dem Rückweg hielten wir noch einmal kurz vor dem Haus in der Pforzheimer Straße 3 an. Am Eingang konnten die Kinder eine leere Kerbe im Türrahmen entdecken. Genau hier war früher eine Mesusa angebracht – ein deutliches Zeichen dafür, dass dies einmal ein jüdisches Haus war, in dem ganz zuletzt die Witwe Ernestine Levi wohnte.
Mit vielen tollen Eindrücken, neuen Buchstaben im Kopf und einer Menge jüdischer Geschichte im Gepäck ging ein unvergesslicher Ausflug zu Ende!
Ein ganz herzliches Dankeschön gilt dem PKC für die wirklich tolle und bereichernde Führung, die unseren Kindern unheimlich viel Freude bereitet hat. Ein besonderer Dank geht dabei an Herrn Volz, der mit seiner herzlichen, einfühlsamen Art fantastisch auf die Kinder dieser Altersstufe eingegangen ist und den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat.